Leitlinien

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Nordrhein-Westfalen nimmt seine Verantwortung für die Zukunft der Einen Welt wahr

Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands und ein dynamischer Wirtschaftsraum im Herzen Europas. Seine Menschen erleben die zunehmende Einbindung in internationale Arbeitsteilung im Alltag von Gesellschaft und Wirtschaft. Globale Entwicklungen beeinflussen ihre Lebensverhältnisse. Zwischen den eigenen sozialen und wirtschaftlichen Interessen und den Anliegen globaler Gerechtigkeit sowie der Bewahrung und Entwicklung unserer natürlichen Lebensgrundlagen können und müssen immer wieder verträgliche Kompromisse gefunden werden. Nordrhein-Westfalen verdankt seine bisherige Entwicklung und heutige Lage auch der Tatsache, dass diese Leistung eines fairen Ausgleichs mit Augenmaß und Perspektive hierzulande eine gute Tradition hat.

Nordrhein-Westfalen folgt dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung, wie es die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio mit der Agenda 21 beschlossen hat. Bürgerschaftliches Engagement für Umwelt und Entwicklung ist praktizierte Verantwortung für die Eine Welt und eine menschenwürdige Zukunft. Das Land Nordrhein-Westfalen fühlt sich diesem Engagement in besonderer Weise verpflichtet.

Zu dessen Stärkung und als Ausdruck seiner Verantwortung hat das Land die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen ins Leben gerufen. Sie wird von allen im Landtag vertretenen politischen Parteien und allen gesellschaftlich relevanten Gruppen getragen.

Grundsätze

Umwelt und Entwicklung gehören zusammen.

Die Welt ist Eine als Natur, die immer stärkeren Einwirkungen des Menschen ausgesetzt ist. Diese Einwirkungen beeinflussen und bedrohen teilweise seine eigene Existenzgrundlage, weil er Teil der Natur ist.
Die Welt ist Eine auch als Menschheit, die im Prozess der Globalisierung durch stets dichter werdende Kommunikation, immer engere wirtschaftliche Verflechtungen und wechselseitige Abhängigkeiten aller Völker zusammenwächst. Dies birgt die große Chance, den grundlegenden Gedanken der Freiheit und Gleichheit aller Menschen überall zu verankern. Diese Chance wollen wir gestaltend nutzen und fördern.

Die Eine Welt ist heute zugleich eine zutiefst uneinige. Lebenschancen sind höchst ungleich verteilt. Der wirtschaftliche Austausch verschärft mancherorts diesen Unterschied. Die Folge sind neuartige Konflikte, die sich zum Teil mit traditionellen verknüpfen. Ebenso führt die Ungleichzeitigkeit zwischen und innerhalb von Kulturen mitunter zu grundverschiedenen Sichtweisen der Welt, die Konflikten manchmal eine fundamentalistische Schärfe geben.

Entwicklungspolitik heißt, die Entwicklung von benachteiligten Völkern zu fördern und die Verwirklichung der Menschenrechte zu ermöglichen. Diese Völker haben nicht nur den Willen zu einem menschenwürdigen Leben und aufgrund der universellen Gleichheit der Menschen auch das Recht darauf, sondern sie haben auch zunehmend die Fähigkeit, dies durchzusetzen. Bei ihnen handelt es sich um die große Mehrheit der Menschheit. Wenn sie es so tun sollen, dass die negativen Folgen für sie und alle Völker vermieden werden, müssen die entwickelten Völker Vorleistungen erbringen.

Völker und Individuen auf diesem Weg zu unterstützen, ist eine ethische Verpflichtung. Ebenso ist dies in unserem eigenen Interesse, denn in der Einen Welt können tiefste Not und Reichtum nicht unvermittelt nebeneinander existieren. Auch ist die Lösung der globalen ökologischen Herausforderungen eine Grundbedingung für Frieden und Gerechtigkeit. Die Welt muss gerechter werden, soll sie friedlicher sein. Frieden ist auch angesichts des Zerstörungspotentials der technologischen Zivilisation ein Gebot des Überlebens. Die Völker der Welt haben alle eine gemeinsame Zukunft oder sie haben gemeinsam keine Zukunft.

Die Aufgaben der Entwicklungspolitik und Umweltpolitik und ihr unteilbarer Zusammenhang bedeuten außerordentliche Herausforderungen für die menschliche Zivilisation und freiheitliche Gesellschaften. Hier liegt zugleich eine großartige Chance zur gemeinsamen Leistung, an der die ganze Gesellschaft wachsen kann.