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Fachtagung Klimaanpassung: Der klimaresiliente Stadtumbau ist Daseinsvorsorge und muss zur Pflichtaufgabe werden

Bonn, 08.10.2026. Rund 120 Engagierte und Fachleute aus Kommunen, der Politik, Forschung und Zivilgesellschaft haben sich gestern in Bonn zur Fachtagung „Klimaanpassung erfolgreich gestalten – Synergien nutzen, Akzeptanz schaffen“ getroffen. Es ging vor allem darum, gute Ideen für die Praxis und Projekte des Gelingens auszutauschen, um Akzeptanz für Klimaanpassung zu schaffen und Ängste sowie Zielkonflikte abzubauen. Im Zentrum der Fachtagung der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW stand die Nutzung von Synergien, um ein positives Zukunftsbild von klimaangepassten Städten zu entwickeln.

Klimaanpassung gemeinsam voranbringen und als Chance nutzen  

Umweltstaatssekretär Viktor Haase erläuterte die verschiedenen Aktivitäten des Landes Nordrhein-Westfalen, die alle auf das Konto einer zukunftsweisenden Klimaanpassung einzahlen. Die Verabschiedung des neues Klimaanpassungsgesetzes steht in diesem Monat auf der Tagesordnung des Landtages. In seinem Vortrag betonte Haase, dass Klimaanpassung nur gemeinsam gelingen kann. Diese Zukunftsaufgabe sollte sowohl im Siedlungsbereich und im ländlichen Raum als auch in der Zivilgesellschaft als Chance genutzt werden:

„Hitze und Starkregen spüren die Menschen direkt vor ihrer Haustür, deshalb muss Klimaanpassung dort ansetzen. Sie gelingt am besten, wenn Kommunen planen und umsetzen, das Land sie dabei unterstützt und die Menschen vor Ort ihre Erfahrungen einbringen können. Das zahlt sich aus, insbesondere wenn die Maßnahmen eine Mehrfachwirkung entfalten. Bäume spenden Schatten, Plätze werden kühler, und das Regenwasser versickert statt Keller zu fluten“, sagte Staatssekretär Viktor Haase.

In dem Auftaktimpuls wies Dr. Friedrich Hetzel, von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA), auf die Dringlichkeit von Klimaanpassungsmaßnahmen in Städte und Gemeinden hin:

„Der Umbau zu klimaresilienten Städten und die damit verbundenen Realisierung von Blau-Grüner Infrastruktur ist kein ‚nice to have‘, sondern das Gebot der Stunde, um den Herausforderungen der zunehmenden Wetterextreme zu begegnen und gleichzeitig unsere Siedlungen lebenswert zu gestalten. Hierfür braucht es einen klaren politischen Willen und eine damit verknüpfte langfristige Finanzierung“, so Dr. Friedrich Hetzel.

Best-Practice-Panel zeigt Erfolgskonzepte aus unterschiedlichen Perspektiven   

In einem Best-Practice-Panel stellten anschließend drei Referentinnen und Referenten Erfolgskonzepte für eine gelingende Klimaanpassung vor. So betonte Laura Schauff vom KlimaDiskurs.NRW, wie wichtig die Einbindung der Menschen vor Ort ist:

„Für uns ist die Bürgerbeteiligung wichtig für die erfolgreiche Umsetzung von Klimaanpassung vor Ort. Ein lokales Netzwerk sollte dabei Verständnis für unterschiedliche Betroffenheiten schaffen, Ideen gemeinsam in die Umsetzung bringen und Expertise für den weiteren Klimaanpassungsprozess schaffen“, sagte Laura Schauff.

Für die Umsetzung der Klimaanpassung bedarf es auch ausreichender finanzieller Mittel. Hier bieten sich Fördermittel, wie das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) des Bundesumweltministeriums an. Der Leiter des Kompetenzzentrum Natürlicher Klimaschutz, Tom Kirschey zeigte wie naturbasierte Lösungen, wie z.B. Baumpflanzungen oder die Renaturierung von Bächen, in der Städteplanung dazu beitragen können, Innenstädte besser gegen Hitze und Starkregenereignisse zu wappnen und gleichzeitig die Biodiversität fördern. „Best-Practices entstehen aus den großen Geschichten, die wir rund um funktionierende Ökosysteme erzählen können. Demut vor der Natur und Selbstwirksamkeit engagierter Menschen sind dabei kein Widerspruch“, so Kirschey.

Wie aus Städten echte Schwammstädte werden können, die Niederschläge sammeln und nutzen und nicht direkt in die Kanalisation ableiten, zeigte im Anschluss Katharina Sina von der Zukunftsinitiative Klima.Werk. In der Initiative haben sich mehrere Städte der Emscher-Lippe-Region mit der Emschergenossenschaft und dem Lippeverband zusammengeschlossen, um gemeinsam den Ausbau der blau-grünen Infrastruktur voranzutreiben und die Städte zukunftsfähig und klimafit zu machen. „Eines unserer Erfolgsrezepte, das lange noch nicht selbstverständlich in den städtischen Verwaltungen ist: Wir müssen alle betroffenen Ämter oder Fachbereiche an einen Tisch holen und bei Projekten oder Gestaltung von Flächen die Klimaanpassung von Anfang an mitdenken. Wasserwirtschaft und Stadtplanung zu verbinden ist dabei ganz wichtig“, empfiehlt Sina.

Deep Dive zu Bürgerbeteiligung, Finanzierungsmöglichkeiten und Zielkonflikten bei der Klimaanpassung   

Am Nachmittag ging es in verschiedenen Themenworkshops um konkrete Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten bei der Klimaanpassung.

Dr. Klaus Reuter von der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW (LAG 21 NRW) thematisierte die wichtige Rolle der Zivilgesellschaft in einer kooperativen Stadtentwicklung. Kommunen sollten die Kompetenzen der Bürgerinnen und Bürger vor Ort stärker nutzen, diese von Anfang an bei der Planung von Maßnahmen mit einbinden und feste Formate und Ansprechpartner*innen in der Verwaltung für Bürgerbeteiligung schaffen.  

Im Themenworkshop Finanzierung zeigten Dr. Moritz Ochsmann vom Zentrum KlimaAnpassung und Robin Conrad vom Fachzentrum Klima beim LANUK NRW Möglichkeiten auf, wie sich Klimaanpassungsmaßnahmen finanzieren lassen und wie dabei Synergien mit anderen Vorhaben genutzt werden können. Als Hürden für die Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen identifizierten sie zu hohe Eigenanteile für Kommunen bei Förderanträgen sowie zeitlich befristete Personalstellen und wechselnde Zuständigkeiten. Echte Hebel könnten dagegen die Einrichtung einer Stabsstelle Klimaschutz- und anpassung in den kommunalen Verwaltungen sein, die Nutzung von Umlagesystemen zur Finanzierung von Eigenanteilen sowie eine bessere Fehlerkultur in den Verwaltungen.

Um das Thema „Parkraum vs. Stadtnatur“, Nutzungskonflikte und Lösungsansätze ging es im Workshop von André Jankwitz, Leiter des Grünflächenamt in Pirmasens. Auch hier zeigten praktische Erfahrungsberichte aus den Kommunen: die Akzeptanz von Klimaanpassungsmaßnahmen ist am größten, wenn die Bürgerinnen und Bürger von Anfang an miteingebunden werden und mitgestalten dürfen. Nutzungskonflikte lassen sich zudem auflösen, indem multifunktionale Flächen gestaltet werden, die die Maßnahmen der Klimaanpassung und Parkflächen miteinander vereinen.    

Den Abschluss der Fachtagung bildete eine engagierte Abschlussdiskussion mit Dr. Andrea Fischer-Hotzel vom Zentrum KlimaAnpassung, Antje Kruse vom Fachzentrum Klima im LANUK NRW und Klaus Breyer vom KlimaDiskurs.NRW. Das Ergebnis: Zur gelingenden Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen braucht es vor allem folgende Dinge: politische/kommunale Rückendeckung, langfriste Finanzierungsmöglichkeiten, die Schaffung von gemeinsamen Netzwerken und der frühe Einbezug der Bürgerinnen und Bürger vor Ort.

Fotos von der Fachtagung  

Eine Auswahl an Pressefotos finden Sie unter dem folgenden Link zum Download.

Bitte nutzen Sie bei Verwendung den folgenden Fotonachweis:
Fotos: Ute Grabowsky / SUE

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