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Fachtagung Klimaanpassung: „Der Umbau zu klimaresilienten Städten ist kein ’nice to have‘, sondern das Gebot der Stunde“
Bonn, 07.10.2026. Rund 120 Engagierte und Expert*innen aus Kommunen, der Politik, Forschung und Zivilgesellschaft haben sich heute im LVR-Landesmuseum in Bonn zur Fachtagung Klimaanapassung getroffen. Unter dem Motto „Klimaanpassung erfolgreich gestalten – Synergien nutzen, Akzeptanz schaffen“ ging es darum, Ideen für die Praxis auszutauschen. Wie gelingt es, mehr Akzeptanz für Klimaanpassung zu schaffen? Wie können wir Ängste und Zielkonflikte abbauen, Synergien nutzen und ein positives Zukunftsbild von klimaangepassten Städten entwickeln? Diese Fragen standen im Zentrum der Fachtagung, die von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen veranstaltet wurde.
Klimaanpassung gemeinsam voranbringen und als Chance nutzen
Die Fachtagung begann mit einem Auftaktimpuls von Dr. Friedrich Hetzel, von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA), der noch einmal auf die Dringlichkeit von Klimaanpassungsmaßnahmen in Städte und Gemeinden, sowie die Grundvoraussetzungen dafür hinwies:
„Der Umbau zu klimaresilienten Städten und die damit verbundenen Realisierung von Blau-Grüner Infrastruktur ist kein ‚nice to have‘, sondern das Gebot der Stunde, um den Herausforderungen der zunehmenden Wetterextreme zu begegnen und gleichzeitig unsere Siedlungen lebenswert zu gestalten. Hierfür braucht es einen klaren politischen Willen und eine damit verknüpfte langfristige Finanzierung“, so Dr. Friedrich Hetzel.
Viktor Haase, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, betonte im Anschluss, dass Klimaanpassung nur gemeinsam gelingen kann und es wichtig ist, diese in den Kommunen, auf dem Land und in der Zivilgesellschaft als Chance zu nutzen.
„Hitze und Starkregen spüren die Menschen direkt vor ihrer Haustür, deshalb muss Klimaanpassung dort ansetzen. Sie gelingt am besten, wenn Kommunen planen und umsetzen, das Land sie dabei unterstützt und die Menschen vor Ort ihre Erfahrungen einbringen können. Das zahlt sich aus, insbesondere wenn die Maßnahmen eine Mehrfachwirkung entfalten. Bäume spenden Schatten, Plätze werden kühler, und das Regenwasser versickert statt Keller zu fluten“, sagte Staatssekretär Viktor Haase.
Best-Practice-Panel zeigt Erfolgskonzepte aus unterschiedlichen Perspektiven
In einem Best-Practice-Panel stellten anschließend drei Referentinnen und Referenten Erfolgskonzepte für eine gelingende Klimaanpassung vor. So betonte Laura Schauff vom KlimaDiskurs.NRW, wie wichtig die Einbindung der Menschen vor Ort ist:
„Für uns ist Beteiligung wichtig für die erfolgreiche Umsetzung von Klimaanpassung vor Ort. Ein lokales Netzwerk sollte dabei Verständnis für unterschiedliche Betroffenheiten schaffen, Ideen gemeinsam in die Umsetzung bringen und Expertise für den weiteren Klimaanpassungsprozess schaffen“, findet Laura Schauff.
Für die Umsetzung der Klimaanpassung bedarf es auch ausreichender finanzieller Mittel. Eine Möglichkeit sind Gelder aus Förderprogrammen, wie z.B. dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) des Bundesumweltministeriums, rät Tom Kirschey, Leiter des Kompetenzzentrum Natürlicher Klimaschutz. Er zeigte zudem, wie naturbasierte Lösungen, wie z.B. Baumpflanzungen oder die Renaturierung von Bächen, in der Städteplanung dazu beitragen können, Innenstädte besser gegen Hitze und Starkregenereignisse zu wappnen. „Best-Practices entstehen aus den großen Geschichten, die wir rund um funktionierende Ökosysteme erzählen können. Demut vor der Natur und Selbstwirksamkeit engagierter Menschen sind dabei kein Widerspruch“, so Kirschey.
Wie aus Städten echte Schwammstädte werden können, die Niederschläge sammeln und nutzen und nicht direkt in die Kanalisation ableiten, zeigte im Anschluss Katharina Sina von der Zukunftsinitiative Klima.Werk. In der Initiative haben sich mehrere Städte der Emscher-Lippe-Region mit der Emschergenossenschaft und dem Lippeverband zusammengeschlossen, um gemeinsam den Ausbau der blau-grünen Infrastruktur voranzutreiben und die Städte zukunftsfähig und klimafit zu machen. „Eines unserer Erfolgsrezepte, das lange noch nicht selbstverständlich in den städtischen Verwaltungen ist: Alle betroffenen Ämter oder Fachbereiche an einen Tisch holen und bei Projekten oder Gestaltung von Flächen Klimaanpassung von Anfang an mitdenken. Wasserwirtschaft und Stadtplanung zu verbinden ist dabei ganz wichtig“, empfiehlt Sina.
Deep Dive zu Bürgerbeteiligung, Finanzierungsmöglichkeiten und Zielkonflikten bei der Klimaanpassung
Am Nachmittag ging es im Format eines World Cafés in verschiedenen Themenräumen um konkrete Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten bei der Klimaanpassung. Im Raum von Dr. Klaus Reuter von der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW (LAG 21 NRW) ging es beispielsweise um die Frage, welche Rolle die Zivilgesellschaft in einer kooperativen Stadtentwicklung spielt. Ein Ergebnis: Kommunen sollten die Kompetenzen der Bürgerinnen und Bürger vor Ort stärker nutzen, diese von Anfang an bei der Planung von Maßnahmen mit einbinden und feste Formate und Ansprechpartner*innen in der Verwaltung für Bürgerbeteiligung schaffen.
Im Nachbarraum diskutierten Dr. Moritz Ochsmann vom Zentrum KlimaAnpassung und Robin Conrad vom Fachzentrum Klima beim LANUK NRW mit den Teilnehmenden, wie sich Klimaanpassungsmaßnahmen finanzieren lassen und wie dabei Synergien mit anderen Vorhaben genutzt werden können. Als Hürden für die Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen identifizierten sie zu hohe Eigenanteile für Kommunen bei Förderanträgen sowie zeitlich befristete Personalstellen und wechselnde Zuständigkeiten. Echte Hebel könnten dagegen die Einrichtung einer Stabsstelle Klimaschutz- und anpassung in den kommunalen Verwaltungen sein, die Nutzung von Umlagesystemen zur Finanzierung von Eigenanteilen sowie eine bessere Fehlerkultur in den Verwaltungen.
Um das Thema „Parkraum vs. Stadtnatur“, Nutzungskonflikte und Lösungsansätze ging es im Workshop von André Jankwitz, vom Garten- und Grünflächenamt Pirmasens. Auch hier zeigten praktische Erfahrungsberichte aus den Kommunen: die Akzeptanz von Klimaanpassungsmaßnahmen ist am größten, wenn die Bürgerinnen und Bürger von Anfang an miteingebunden werden und mitgestalten dürfen. Nutzungskonflikte lassen sich zudem auflösen, indem multifunktionale Flächen gestaltet werden, die Klimaanpassung und Parken miteinander vereinen.
Den Abschluss der Fachtagung bildete eine Abschlussdiskussion mit Dr. Andrea Fischer-Hotzel vom Zentrum KlimaAnpassung, Antje Kruse vom Fachzentrum Klima im LANUK NRW und Klaus Breyer vom KlimaDiskurs.NRW. Das Ergebnis: Zur gelingenden Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen braucht es vor allem folgende Dinge: politische/kommunale Rückendeckung, langfriste Finanzierungsmöglichkeiten, die Schaffung von gemeinsamen Netzwerken und der frühe Einbezug der Bürgerinnen und Bürger vor Ort.
Fotos von der Fachtagung
Eine Auswahl an Pressefotos finden Sie unter dem folgenden Link zum Download.
Bitte nutzen Sie bei Verwendung den folgenden Fotonachweis:
Fotos: Ute Grabowsky / SUE
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